Rauchschwalben brüten gern in Uster
Die GNVU hat Zahlen zum Vogel des Jahres 2004 erhoben
Text und Fotos: Christoph Kaminski, Uster

Der Schweizer Vogel-schutz hat die Rauch-schwalbe zum Vogel des Jahres 2004 ge-kürt. Aber wieviele die-ser eleganten Flieger brüten überhaupt noch auf Ustermer Gemein-degebiet? Die GNVU wollte es genau wissen.


Verbreitungskarte

Eine Rauchschwalbe füttert ihren Nachwuchs: Gemäss der Zählung der GNVU haben min-destens 84 Paare dieser Vogelart auf Ustermer Gemeindegebiet gebrütet.

Knapp über der Wasseroberfläche des Greifensees fliegen Rauchschwalben. Mit bis zu 60 km/h jagen die eleganten Flieger Mücken und anderen Insekten hinterher. Dabei ist die Rauchschwalbe ist ein äusserst erfolgreicher Jäger. Das muss sie auch sein, wenn  ihr Nachwuchs überleben soll. Denn für die Aufzucht einer Schwalbenbrut von vier bis sechs Jungen sind etwa 120 000 Insekten nötig. Bei zwei Bruten pro Jahr macht dies rund 2,4 Kilogramm Insekten. Kein Wunder also, sind die Rauchschwalben willkommene Gäste auf Bauernhöfen, wo sie im Frühsommer ihre Nester mit Vorliebe in den Ställen oder Scheunen bauen. Mehr noch: Die Vögel mit dem tief gegabelten Schwanz gelten gemäss Volksglauben gar als Glücksbringer für Hof, Haus und deren Bewohner. Der Schweizer Vogelschutz SVS/BirdLife Schweiz hat eben diese Rauchschwalbe zum Vogel des Jahres 2004 gekürt. Grund genug für die Gesellschaft für Natur- und Vogelschutz Uster (GNVU), erstmals den Bestand dieser Vogelart auf Ustermer Gemeindegebiet zu erheben. Anfang Jahr wurden deshalb insgesamt 99 Landwirte oder Besitzer von Stallungen angeschrieben, wie Stefan Kohl vom Vorstand des GNVU in einem Gespräch erklärt. In einem Brief wurden die Bauern gebeten, die Anzahl der brütenden Rauchschwalbenpaare anzugeben. Von 99 angeschriebenen Landwirten antworteten 57.
Junge Rauchschwalben

84 Paare brüteten auf Ustermer Gemeindegebiet
Das nun vorliegende Ergebnis ist für die Ustermer Naturschützer ein erfreuliches: «Gemäss der Erhebung haben 2004 nachgewiesenermassen 84 Rauchschwalben-Paare auf Ustermer Gemeindegebiet gebrütet», kann Stefan Kohl vermelden. Die meisten Paare dürften zweimal eine Brut begonnen haben. Bedenkt man zusätzlich, dass nicht alle angeschriebenen Bauern an der Umfrage teilgenommen haben, so kann von gegen 200 Bruten in Uster ausgegangen werden. Stefan Kohl betont, dass die GNVU auch weiterhin Angaben zu den Rauchschwalben-Bruten entgegen nimmt, um möglichst realitätsnahe Zahlen zu erhalten. Die gemeldeten Ustermer Bruten verteilen sich auf 35 Höfe und Stallungen von Riedikon bis Freudwil. Auf rund 75 Prozent der Bauernhöfe mit Rauchschwalben haben ein oder zwei Paare ihr nach oben offenes Nest gebaut, welches aus über tausend Erdklümpchen, gemischt mit Speichel und Grashalmen, besteht. Es gibt aber auch eine wahre Rauchschwalben-Hochburg: Gleich 15 Paare haben sich für ein Nest im Birkenhof bei der Familie Pfister Richtung Wüeri entschieden. Im Zentrum von Uster finden die Rauchschwalben – im Gegensatz zu der nahe Verwandetn Mehlschwalbe – nur wenig Nistmöglichkeiten. Eine zum Beispiel im Stall von Bauer Hans Tschümperlin direkt neben dem Schloss. Ansonsten sind die Vögel eher an der Peripherie der Stadt zu finden: In Nänikon (6 Paare), Freudwil (4), Niederuster (5) oder auch in Sulzbach (10) fühlen sich die jedes Jahr an ihren Brutplatz zurückkehrenden Vögel eher wohl. Die Rauchschwalben brauchen nämlich bäuerlich geprägte Gebiete mit vielen Hecken und Magerwiesen, aber auch Gewässern oder Obstanlagen. Denn im Umkreis von etwa 300 Metern ums Nest müssen die Tiere genügend Insekten für die Aufzucht der Jungen finden. In ausgeräumten, eintönigen Landschaften oder bei schlechtem Wetter müssen die Vögel ihre Nahrungsflüge ausdehnen, was sich dann wiederum negativ auf den Bruterfolg auswirken kann.

Junge Rauchschwalben

GNVU möchte mit Bauern zusammenarbeiten
Nach Schätzungen des SVS brüten in der Schweiz noch 100 000 bis 150 000 Paare. Der Bestand nehme dabei spürbar ab. Grund dafür seien gemäss SVS Veränderungen in der Landwirtschaft und die Aufgabe der traditionellen Viehhaltung in der Schweiz und in ganz Europa. Ziemlich ernüchternd sind beispielsweise auch die Angaben aus Dübendorf, wo heuer vom Naturschutzverein ebenfalls eine Zählung der Brutplätze stattgefunden hat. Dabei wurden 25 Bauern angeschrieben. Eine Brut im laufenden Jahr wurde aber lediglich von vier Bauern gemeldet. Sogar in Uster gab es einmal bessere Zeiten für die Rauchschwalben: 46 Landwirte bestätigten, dass sie vor 2004 Bruten in ihrem Stall beobachten konnten. Das sind elf Brutplätze mehr, als während dieses Jahres genutzt wurden. Aus diesem Grund bietet die GNVU ihre Unterstützung an: Falls gewünscht, können die Bauern Stefan Kohl per Mail unter gnvu@gmx.ch um Rat fragen, wie die Rauchschwalben auch in ihrem Stall wieder zu Brüten beginnen. Dies hat die GNVU den Bauern auch in einem Schreiben mitgeteilt, welches vor wenigen Tagen versandt wurde. Darin wird auch für das Engagement der Landwirte für die Rauchschwalben gedankt sowie das Resultat der Umfrage bekannt gegeben. In den nächsten Tagen und Wochen brechen die Schwalben samt ihrem Ustermer Nachwuchs zu ihren Winterquartieren in West- und Zentralafrika auf.  Jetzt bleibt den Naturschützern und Bauern nur zu hoffen, dass die Vögel auch 2005 wieder gerne nach Uster zurück kehren und weiterhin Glück mitbringen.