Aktuell

Oktober 2004

Mit der Heugabel für den Naturschutz
Text: Anzeiger von Uster / mfr. 18.10.2004

Die Gesellschaft für Natur- und Vogelschutz Uster (GNVU) führte am Samstag im Werriker Ried einen Pflegeeinsatz durch. Dank ihrer Aktion bleibt das Gebiet frei von Schilfbewuchs.

Foto: Andreas Haag, Uster

Hier darf niemand «Eindruck hinterlassen»: Der Boden im Werriker Ried ist nass und federt bei jedem Schritt nach. Ein Traktor mit Anhänger würde das Gebiet in kürzester Zeit in einen Acker verwandeln . Die 19 Teilnehmer des Pflegeeinsatzes schichten das Gras deshalb auf ein Spezialfahrzeug mit besonders breiter Auflagefläche .

Wuchern des Schilfes verhindern
«Das Ried muss regelmässig gemäht und das Gras aus dem Gebiet abtransportiert werden», sagt Stefan Kohl vom Vorstand der GNVU. Lässt man es ungehindert wachsen, zersetzt es sich zu reichhaltigem Dünger. Mit dem Ergebnis, dass die Schilfpflanze, die auf nährstoffreichem Grund sehr schnell wächst, sich über das ganze Gebiet ausbreiten würde - zum Leidwesen der seltenen Tier- und Pflanzenwelt des Rieds. «Wenn sich Schilf ausbreitet, werden Tiere und andere Pflanzen verdrängt, weil diese in Schilf nicht leben können», so Kohl.
Einzelne Brachstreifen mit hohem Gras werden trotzdem stehen gelassen. Darin reifen die Larven und Eier von Spinnen und Insekten heran. Während die Älteren das Fahrzeug mit dem gemähten Gras vollpacken, sammeln die jüngeren Naturschützer die Pet-Flaschen und Picknickresten entlang des Radwegs zusammen.

Mittagessen und kleines Entgelt
Seit Jahrzehnten pflegt die GNVU mit solchen Einsätzen das Werriker Ried, traditionsgemäss jeweils am letzten Wochenende der Herbstferien. Auch tatkräftige Nichtmitglieder sind dabei jederzeit willkommen, denn die Arbeit ist anstrengend und nimmt meist den ganzen Tag in Anspruch. Die Stadt Uster spendiert dafür ein Mittagessen und zahlt den Teilnehmern einen kleinen Stundenlohn. Damit komme Uster relativ billig weg, findet Kohl. «Mit diesem Ried hat die Stadt eine grosse Verantwortung. Solche Gebiete sind selten geworden und müssen unbedingt erhalten werden

Unliebsame Folgen der Wasserspiegelsenkung
Das Werriker/Glatten Ried ist ein Naturschutzgebiet von nationaler Bedeutung . Hier wachsen seltene Orchideen, die auf offene Riedflächen angewiesen sind. Auch sind hier in der Schweiz praktisch ausgestorbene Libellenarten heimisch, darunter die blaue Helm-Azurjungfer und die rote Adonis-Libelle, die im Kanton Zürich lediglich noch im Werriker Ried anzutreffen sind. Dass sich bei der Erschliessung des benachbarten Gebietes Loren vor zwei Jahren unbeabsichtigterweise der Wasserspiegel im Ried abgesenkt hatte (wir berichteten), hatte gemäss Stefan Kohl unliebsame Folgen für das Ried: «Die Späte Adonis-Libelle ist noch seltener als zuvor , und auch die Orchideen haben gelitten.»

Grund genug für ihn, sich umso mehr für die Erhaltung des Rieds einzusetzen. Besonders in den nächsten Jahren, wenn die geplanten Siedlungen in der Loren immer näher an das Naturschutzgebiet rücken.