Aktuell

April 2004

Ornithologische Überraschungen am Osterwochenende
Text: Stefan Kohl

Nicht nur sehr viele Spaziergänger, Jogger, Baiker und Rollerblaider besuchten über das Osterwochenende den Greifensee, auch viele Vögel waren unterwegs.

Eine ganz spezielle Beobachtung gelang Patrick Franke aus Egg am Ostersonntag: Ein kleiner, nur amselgrosser Vogel bewegte sich geschwind, nach Teichhuhnart geschickt getarnt, in der Ufervegetation der Mönchaltorfer Aa umher. Aufmerksam beobachtete er das Tier und war erstaunt, als es plötzlich völlig frei auf dem angestauten Geschwemsel nach Nahrung suchte, sich badete und wieder weiter nach Insekten haschte. Erst der Blick ins Vogelbuch gab Sicherheit in der Bestimmung der Art:

Es handelt sich eindeutig um ein Männchen vom Kleinen Sumpfhuhn (Porzana parva)

Kleines Sumpfhuhn Foto: Stefan Kohl, Uster
Kleines Sumpfhuhn

In der Schweiz wird das Kleine Sumpfhuhn jährlich durchschnittlich nur gerade 5 mal beobachtet. Meistens handelt es sich um Tiere auf dem Herbst- und wie hier, auf dem Frühjahreszug zurück ins Brutgebiet. Dieses erstreckt sich von Polen ostwärts bis zum Ural und zum Toten Meer. Im Westen sind nur vereinzelte Brutgebiete bekannt.
In der Schweiz rechnet man mit 0 bis 5 Brutpaaren. Seit 1980 liegen keine gesicherten Brutnachweise aus unserem Land vor.
Am Greifensee wurde das Kleine Sumpfhuhn zum letzten mal am 03.08.1994 beobachtet, also vor fast 10 Jahren!

 

Unter vielen anderen beobachteten Vögeln ist eine weitere Beobachtung ganz speziell erwähnenswert:
Es handelt sich hierbei um einen mit den Spechten nahe verwandte Vogelart, den Wendehals (Jynx torquilla).
Christoph Kaminski aus Uster hatte das Glück dieses wunderschöne Tier vor die Linse zu bekommen:

Wendehals Foto: Christoph Kaminski, Uster
Wendehals

Der Wendehals wird bedeutend häufiger als das Kleine Sumpfhuhn beobachtet. Er ist ein regelmässiger Durchzügler, der zwischen Ende August und Anfang Oktober in sein Winterquartier zieht um dann im April wieder aus Afrika zurückzukommen.
In der Schweiz brütet er hauptsächlich im Wallis im Tessin und im Engadin. Auch in vielen weiteren Teilen unseres Landes kann sich die Art noch behaupten. Voraussetzung sind viele Baumhöhlen, Nistkästen und ein grosses Angebot an Wiesenameisen. Er braucht strukturreiche, halboffene Landschaften.
In der Schweiz wird der Brutbestand auf 2000 bis 3000 Tiere geschätzt.

 

Übrigens: Patrick Franke und Christoph Kaminski sind beide ganz neu in der GNVU Mitglied geworden.