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Dezember 2003

Die Vogelwelt am Greifensee - Wintergäste
Text und Fotos: Stefan Kohl

Wenn draussen die Kälte einkehrt und die Tage kürzer werden, dann fängt für die freileben­den Tiere eine beschwerliche Zeit an. Vor allem wird es für sie immer schwieriger an Nah­rung heranzukommen. Für Vögel gibt es im Wesentlichen zwei Möglichkeiten den Winter zu überstehen. Entweder ziehen sie für diese Zeit in den warmen Süden, oder sie bleiben nördlich der Alpen und verbringen ihn möglichst ruhig und energiesparend.

 

Inhaltsverzeichnis

1. Ort der Stille
 
2. Schutzzonen
 
3. Wintergäste
 
4. Sogar Eisvögel
 
5. Beobachtungspunkte
 

6.

Wasservogelfütterung

 

1. Ort der Stille

Für viele Wasservögel stellt der Greifensee genau einen solch ruhigen Ort dar. Hier können sie ungestört nach Nah­rung suchen oder auf dem Wasser dösen. Nur ab und zu müssen sie den Himmel nach Fein­den absuchen. Denn sowohl der kräftige Wanderfalke wie auch der Habicht sind in der Lage, ausgewachsene Enten zu schlagen. Die weite Sicht über das Wasser garantiert, dass Störungen frühzeitig entdecken werden können. Vö­gel haben ja die Möglichkeit, davonzu­fliegen und eine andere, ruhige Bucht auf dem Greifen­see aufzusuchen. Werden aber die Pha­sen der Nahrungsaufnahme und der Ruhepausen ständig durch Bootsbetrieb oder an­dere Wassersportarten unterbrochen, müssen die Tiere immer wieder auffliegen und fliehen. Dies hat übermässigem Energieverbrauch zur Folge und erschwert es den Vögeln, die Reserven aufzubauen, die sie zum Überleben der kalten Jahreszeit und für den Rückflug in ihre Brutgebiete benötigen.

 
Männchen der Tafel- und Reiherente: Häufigste Tauchenten am See

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2. Schutzzonen

Um solche für die Vögel echt dramatischen Vorgänge zu minimieren, wurden mit der 1994 erlassenen Greifenseeschutzverordnung bestimmte Wasserflächen als Ruhezonen festgesetzt. Diese Schutzzonen sind mit gelben Schwimmbojen weithin sichtbar markiert und dürfen in der Zeit vom 1. Oktober bis 30. April nicht mit Schwimmkörpern aller Art befahren werden. Wir dürfen fest­stellen, dass sich die Bootsfahrer (Fischer und Sportruderer) immer besser an diese Vorgabe halten. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass viele Wasservögel den Greifensee gerne zum Überwintern nutzen, vorausgesetzt er bleibt offen und friert nicht zu.
Seit über 30 Jahren werden die Vögel auf dem Greifensee zu jeder Jahreszeit beobachtet und im­mer wieder gezählt. Als Wintergäste aus dem hohen Norden Europas kommen hauptsächlich Reiher- und Tafelenten zu uns. Neben den allgemein bekannten „Wildenten“, die eigent­lich Stockenten heissen, können auch folgende Arten alljährlich beobachtet werden: Schnat­terenten, Krickenten, Kolbenenten und Pfeiffenten. Dazu kommen Gänsesäger, Blässhühner, Haubentaucher, Zwergtaucher und Schellenten. Für die Löffelente ist der Greifensee als Überwinterungsort sogar einer der wichtigsten Plätze der Schweiz. Damit erreicht unser See den Status eines für Wintergäste national bedeutenden Gewässers.


Männchen der Löffelente,
Schwimmente, für die der Greifensee besonders wichtig ist

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3. Wintergäste

 
Männchen der Schell- und Kolbenente: Zwei weitere Tauchentenarten

Seit 1986 werden in jedem Winter auch Kormorane beobachtet. Eine fischfressende Vogelart, die vorwiegend aus Dänemark und aus Küstenregionen im nördlichen und westlichen Mittel­europa stammt. Nachdem sich die Bestände in den 90-er Jahren enorm vergrössert hatten – es wurden bis über 1500 Tiere gezählt – hat sich der Winterbestand heute bei gut 500 Kormoranen eingependelt.

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4. Sogar Eisvögel

Wer sich während der Winterzeit häufiger am See aufhält, hat durchaus die Chance, einmal den wohl farbenprächtigsten, einheimischen Vogel zu Gesicht zu bekommen, den Eisvogel. Gerne hält er sich an der Ustermer Aamündung auf und fällt hauptsächlich durch seinen schrillen Ruf auf. Wie ein fliegender Edelstein saust er pfeilschnell von einer Sitzwarte zur anderen. Das leuchtende Blau und Orange ist am besten durch ein Fernglas zu sehen, ist doch der Vo­gel nicht grösser als ein Buchfink. Wenn man Geduld und Glück hat, sieht man, wie er plötzlich vom Ast ins Wasser taucht und kurz danach wieder mit einem Fischchen im Schna­bel auftaucht. Anschliessend verschlingt er die Beute Kopf voran.

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5. Beobachtungspunkte

Wer selber, auf eigene Faust beobachten möchte, hat an folgenden Orten rund um den Greifensee gute Gelegenheit auf überwinternde Wasservögel zu stossen und diese in Ruhe be­obachten zu können: Schiffsstege Niederuster, Greifensee, Fällanden, Maur und Mönchaltorf. Beobachtungsturm im Riedikerriet; Badi Egg; Glatt-Auslauf, Beobachtungssteg Schwerzen­bach; zwei Holzstege zwischen Uster und Greifensee; Beobachtungsplattform an der Uster­mer Aabachmündung. Ebenso sind überall vom Ufer aus immer wieder wunderschöne und beglückende Beobach­tungen möglich. Es lohnt sich hinaus aus der warmen Stube an unseren See zu gehen!

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6. Wasservogelfütterung

Die Fütterung von Wasservögeln bietet für Alt und Jung eine gute Gelegenheit, Vögel aus der Nähe zu be­obachten. Eine massvolle Fütterung mit Brotresten ist für die Vögel nicht schäd­lich. Dabei ist allerdings zu be­achten, dass auch andere Passanten die Vögel mit Futter ver­sorgen. Halten Sie deshalb Ihre Futterportionen in Grenzen. Generell sollte während der Brut­zeit, das heisst im Frühling und Sommer, nicht gefüttert werden. Aus natur­schützerischer Sicht ist die Fütterung der Wasservögel keinesfalls notwendig.

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