Wilde Flug-Gesellschaften
Wussten Sie,
dass es auch bei den Zugvögeln Kurzstrecken- und Langstreckenflieger
gibt? Während zum Beispiel die Mauersegler ins südliche Afrika
ziehen, überwintern die meisten unserer Misteldrosseln in Frankreich,
einige Mönchsgrasmücken fliegen einfach ins Tessin.
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| Inhaltsverzeichnis
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1.
Geheimnis
Vogelzug
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Einer
der ersten ist der Kuckuck, der schon im August abflog,
Destination: Südafrika. Ein junger Kuckuck, im Frühling
aus dem Ei geschlüpft, macht seinen Zug nach Südafrika
mutterseelenallein. Ein langer Weg, in den ihn niemand einweisen
konnte, ist er doch von artfremden Vögeln aufgezogen
worden. Wenn die Sonnenstrahlen wieder schräger auf
unseren Breiten auftreffen, ergreift die „Zugunruhe“
auch die späteren unserer Sommergäste. Zwar ist
es weniger die Kälte, der sie entfliehen, wie man vielleicht
meinen möchte. Im Winter schwindet bei uns das Nahrungsangebot
drastisch, vor allem für die Insektenfresser. Doch
wer gibt das Zeichen zum Aufbruch? Schon 1702 hat der Vogelzugbeobachter
von Pernau erkannt, dass der Zugvogel oftmals nicht direkt
durch Hunger oder Kälte zum Aufbruch veranlasst, sondern
„durch einen verborgenen Zug zur rechten Zeit getrieben
werde“. Heute wissen wir, dass dieser Trieb angeboren
ist. Viele Menschen sind fasziniert von einem solchen Instinkt,
der bei den Zugvögeln so fein austardiert ist, dass
er ihnen mit grosser Präzision zeitliche und räumliche
„Anleitungen“ gibt. Nach neueren Erkenntnissen
verfügt ein Zugvogel sogar über Sinne, mit denen
er die Magnetfelder der Erde wahrnehmen, und nach Sonne
und Sternen navigieren kann. Bewundernswerte kleine Piloten!
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2.
Auf ein Wiedersehen im nächsten Frühling
Doch das Überleben
der Zugvögel ist sehr gefährdet. Das Fliegen kostet
sie viel Energie, weshalb sie sichere Rastplätze brauchen,
mit reichlichem Nahrungsvorkommen zum Auftanken. Diese Lebensräume,
vor allem Feuchtgebiete, Ufer und Flussdeltas werden immer
mehr auch für Menschen attraktiv und durch Überbauung
und Nutzbarmachung zerstört oder bedroht. In vielen
Gegenden werden die Zugvögel immer noch auf barbarische
Weise gefangen, um als Saison-Spezialität gegessen
zu werden. Greifvögel fallen als Jagdtrophäen
fragwürdigen Männertraditionen zum Opfer. Die
Lebensräume der Zugvögel müssen in ihren
Brutgebieten, auf ihrem Zug und in ihren Winterquartieren
gleichermassen geschützt werden. Der Schweizer Vogelschutzes
SVS sammelt in seiner Herbstkampagne Mittel für länderübergreifende
Projekte zum Schutz der Zugvögel.
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3.
European
BirdWatch - Internationaler Zugvogeltag, 4./5. Oktober 2003
Natur-Schauspiel – Vogelzug
Graupelschauer,
Schneesturm, Hagel: Einem unwirtlichen Wetter mussten an
diesem Wochenende nicht nur die Tausende von Zugvögeln
standhalten, die über die Schweiz gegen Süden
flogen. Wetterfestigkeit bewiesen auch die fast 1500 Menschen,
die in der Schweiz einen der 53 Beobachtungsstände
besuchten, welche die Sektionen des Schweizer Vogelschutzes
SVS – BirdLife Schweiz zum Europäischen Zugvogeltag
aufbauten. Die Besucher konnten das faszinierende Geschehen
in den Lüften unter Anleitung von Ornithologen und
Ornithologinnen verfolgen.
Zugvögel
kennen keine Landesgrenzen. Deshalb organisiert BirdLife
International jeweils im Herbst den internationalen Zugvogeltag.
An diesem Anlass wird europaweit auf die spezielle Gefährdung
der Zugvögel hingewiesen und die Bevölkerung über
das uralte, immer wiederkehrende Phänomen des Vogelzugs
informiert.
Aus diesem Anlass betreuten die Sektionen des Schweizer
Vogelschutzes SVS – BirdLife Schweiz 53 Zugvogel-Beobachtungsstände
vom Jura bis weit in die Alpenketten hinein. Dort wurden
die nach Süden ziehenden Vögel nach Art und Zahl
von engagierten Vogelschützern und Vogelschützerinnen
erfasst. Gleichzeitig boten die Beobachtungsstände
trotz nasskaltem und trübem Wetter den unverdrossenen
Besuchern und Besucherinnen ein eindrückliches Naturerlebnis.
Hunderte richteten unter fachlicher Anleitung den Blick
zum Himmel und erspähten durch Fernrohre und Feldstecher
fast 64‘000 Zugvögel. Buchfink, Star und Rauchschwalbe
waren die am meisten gesichteten Vogelarten. Aber auch für
die Schweiz seltene Arten wie Raubwürger, Heringsmöve
und Kornweihe wurden von den suchenden Augen erspäht.
In ganz Europa wurden von rund 70'000 Beobachtern und Beobachterinnen
an gut 600 Posten über eine Million Vögel gesichtet!
Mit der neuen SVS-Zugvogelkampagne trägt der SVS dazu
bei, den dringend notwendigen Schutz für die ziehenden
Vogelarten in ihren Brutgebieten, Rastplätzen und Winterquartieren
zu erreichen.
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4.
Der «European BirdWatch 2003» in Zahlen:
In der
Schweiz:
53 |
Beobachtungs-
und Informationsstände |
1457 |
Besucherinnen
und Besucher |
63‘581 |
beobachtete
Vögel |
In Europa:
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30 |
Länder
mit ihren nationalen Natur- und Vogelschutzorganisationen |
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625 |
Beobachtungsstationen
und Veranstaltungen |
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rund
70‘000 |
Besucherinnen
und Besucher |
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über
1 Mio. |
beobachtete
Vögel |
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5.
Lautlose Flugschau am Greifensee
Unsern
GNVU-Zugvogel-Beobachtungsstand haben wir am Sonntag den 5.
Oktober während sechs Stunden auf dem Beobachtungsturm
im Riediker-Riet am oberen Greifensee betrieben. Schon beim
Aufbauen wurden wir durch den anhaltenden Regen ziemlich nass.
Zum Glück hat Ernst ein grosses Partyzelt mitgebracht.
Das Zelt hat es uns ermöglicht, die ganze Zeit durchzuhalten.
Ohne dies hätten wir witterungsbedingt frühzeitig
abbrechen müssen. Immerhin haben 19 Personen unser
Angebot genutzt und auch immer wieder durchziehende und rastende
Vögel beobachten können. So wurden bei uns insgesamt
1187 Vögel gezählt, darunter so interessante
Arten wie 14 Baumpieper, 1 Flussregenpfeifer, 6 Heringsmöwen,
18 Kiebitze, viele Rauchschwalben, über 100 Ringeltauben
und eine junge Trauerseeschwalbe. Insgesamt konnten 46 verschiedene
Vogelarten erkannt werden. Es hat sich erneut gezeigt, dass
das 1996 neu gestalte Projektgebiet Riediker- Rälliker-Riet
eine sehr wichtige Tankstelle für unsere Vögel darstellt.
Daneben bietet dieses Gebiet vielen anderen, zum Teil bedrohten
Tieren und Pflanzen die Möglichkeit zum Überleben. |

Beobachtungsturm
im Riediker-Rälliker-Riet am oberen Greifensee
Foto: Markus Ambühl |
Natürlich
hoffen wir im kommenden Jahr, wenn wir am 3. Oktober 2004 unseren
GNVU-Zugvogel-Beobachtungsstand erneut aufbauen,
auf besseres Wetter und viele Besucher!
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