Aktuell

Oktober 2003

Wilde Flug-Gesellschaften

Wussten Sie, dass es auch bei den Zugvögeln Kurzstrecken- und Langstreckenflieger gibt? Während zum Beispiel die Mauersegler ins südliche Afrika ziehen, überwintern die meisten unserer Misteldrosseln in Frankreich, einige Mönchsgrasmücken fliegen einfach ins Tessin.


Windenschwärmer Foto: Markus Ambühl
Daniel Hardegger beim Beobachten von Zugvögeln im Riediker-Rälliker-Riet


 

Inhaltsverzeichnis

 
1. Geheimnis Vogelzug
 
2. Auf ein Wiedersehen im nächsten Frühlingier
 
3. European BirdWatch - Internationaler Zugvogeltag 4./5. Oktober 2003
Natur-Schauspiel Vogelzug
 
4. Der «European BirdWatch 2003» in Zahlen
 
5. Lautlose Flugschau am Greifensee 
 


 

1. Geheimnis Vogelzug

     

 

Einer der ersten ist der Kuckuck, der schon im August abflog, Destination: Südafrika. Ein junger Kuckuck, im Frühling aus dem Ei geschlüpft, macht seinen Zug nach Südafrika mutterseelenallein. Ein langer Weg, in den ihn niemand einweisen konnte, ist er doch von artfremden Vögeln aufgezogen worden. Wenn die Sonnenstrahlen wieder schräger auf unseren Breiten auftreffen, ergreift die „Zugunruhe“ auch die späteren unserer Sommergäste. Zwar ist es weniger die Kälte, der sie entfliehen, wie man vielleicht meinen möchte. Im Winter schwindet bei uns das Nahrungsangebot drastisch, vor allem für die Insektenfresser. Doch wer gibt das Zeichen zum Aufbruch? Schon 1702 hat der Vogelzugbeobachter von Pernau erkannt, dass der Zugvogel oftmals nicht direkt durch Hunger oder Kälte zum Aufbruch veranlasst, sondern „durch einen verborgenen Zug zur rechten Zeit getrieben werde“. Heute wissen wir, dass dieser Trieb angeboren ist. Viele Menschen sind fasziniert von einem solchen Instinkt, der bei den Zugvögeln so fein austardiert ist, dass er ihnen mit grosser Präzision zeitliche und räumliche „Anleitungen“ gibt. Nach neueren Erkenntnissen verfügt ein Zugvogel sogar über Sinne, mit denen er die Magnetfelder der Erde wahrnehmen, und nach Sonne und Sternen navigieren kann. Bewundernswerte kleine Piloten!

 

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2. Auf ein Wiedersehen im nächsten Frühling

Doch das Überleben der Zugvögel ist sehr gefährdet. Das Fliegen kostet sie viel Energie, weshalb sie sichere Rastplätze brauchen, mit reichlichem Nahrungsvorkommen zum Auftanken. Diese Lebensräume, vor allem Feuchtgebiete, Ufer und Flussdeltas werden immer mehr auch für Menschen attraktiv und durch Überbauung und Nutzbarmachung zerstört oder bedroht. In vielen Gegenden werden die Zugvögel immer noch auf barbarische Weise gefangen, um als Saison-Spezialität gegessen zu werden. Greifvögel fallen als Jagdtrophäen fragwürdigen Männertraditionen zum Opfer. Die Lebensräume der Zugvögel müssen in ihren Brutgebieten, auf ihrem Zug und in ihren Winterquartieren gleichermassen geschützt werden. Der Schweizer Vogelschutzes SVS sammelt in seiner Herbstkampagne Mittel für länderübergreifende Projekte zum Schutz der Zugvögel.

 

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3. European BirdWatch - Internationaler Zugvogeltag, 4./5. Oktober 2003

Natur-Schauspiel – Vogelzug

Graupelschauer, Schneesturm, Hagel: Einem unwirtlichen Wetter mussten an diesem Wochenende nicht nur die Tausende von Zugvögeln standhalten, die über die Schweiz gegen Süden flogen. Wetterfestigkeit bewiesen auch die fast 1500 Menschen, die in der Schweiz einen der 53 Beobachtungsstände besuchten, welche die Sektionen des Schweizer Vogelschutzes SVS – BirdLife Schweiz zum Europäischen Zugvogeltag aufbauten. Die Besucher konnten das faszinierende Geschehen in den Lüften unter Anleitung von Ornithologen und Ornithologinnen verfolgen.

Zugvögel kennen keine Landesgrenzen. Deshalb organisiert BirdLife International jeweils im Herbst den internationalen Zugvogeltag. An diesem Anlass wird europaweit auf die spezielle Gefährdung der Zugvögel hingewiesen und die Bevölkerung über das uralte, immer wiederkehrende Phänomen des Vogelzugs informiert.


Aus diesem Anlass betreuten die Sektionen des Schweizer Vogelschutzes SVS – BirdLife Schweiz 53 Zugvogel-Beobachtungsstände vom Jura bis weit in die Alpenketten hinein. Dort wurden die nach Süden ziehenden Vögel nach Art und Zahl von engagierten Vogelschützern und Vogelschützerinnen erfasst. Gleichzeitig boten die Beobachtungsstände trotz nasskaltem und trübem Wetter den unverdrossenen Besuchern und Besucherinnen ein eindrückliches Naturerlebnis. Hunderte richteten unter fachlicher Anleitung den Blick zum Himmel und erspähten durch Fernrohre und Feldstecher fast 64‘000 Zugvögel. Buchfink, Star und Rauchschwalbe waren die am meisten gesichteten Vogelarten. Aber auch für die Schweiz seltene Arten wie Raubwürger, Heringsmöve und Kornweihe wurden von den suchenden Augen erspäht. In ganz Europa wurden von rund 70'000 Beobachtern und Beobachterinnen an gut 600 Posten über eine Million Vögel gesichtet!
Mit der neuen SVS-Zugvogelkampagne trägt der SVS dazu bei, den dringend notwendigen Schutz für die ziehenden Vogelarten in ihren Brutgebieten, Rastplätzen und Winterquartieren zu erreichen.


 
 

 

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4. Der «European BirdWatch 2003» in Zahlen:

In der Schweiz:

53
Beobachtungs- und Informationsstände
1457
Besucherinnen und Besucher
63‘581
beobachtete Vögel

 

In Europa:

30
Länder mit ihren nationalen Natur- und Vogelschutzorganisationen
625
Beobachtungsstationen und Veranstaltungen
rund 70‘000
Besucherinnen und Besucher
über 1 Mio.
beobachtete Vögel


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5. Lautlose Flugschau am Greifensee

Unsern GNVU-Zugvogel-Beobachtungsstand haben wir am Sonntag den 5. Oktober während sechs Stunden auf dem Beobachtungsturm im Riediker-Riet am oberen Greifensee betrieben. Schon beim Aufbauen wurden wir durch den anhaltenden Regen ziemlich nass. Zum Glück hat Ernst ein grosses Partyzelt mitgebracht. Das Zelt hat es uns ermöglicht, die ganze Zeit durchzuhalten. Ohne dies hätten wir witterungsbedingt frühzeitig abbrechen müssen. Immerhin haben 19 Personen unser Angebot genutzt und auch immer wieder durchziehende und rastende Vögel beobachten können. So wurden bei uns insgesamt 1187 Vögel gezählt, darunter so interessante Arten wie 14 Baumpieper, 1 Flussregenpfeifer, 6 Heringsmöwen, 18 Kiebitze, viele Rauchschwalben, über 100 Ringeltauben und eine junge Trauerseeschwalbe. Insgesamt konnten 46 verschiedene Vogelarten erkannt werden. Es hat sich erneut gezeigt, dass das 1996 neu gestalte Projektgebiet Riediker- Rälliker-Riet eine sehr wichtige Tankstelle für unsere Vögel darstellt. Daneben bietet dieses Gebiet vielen anderen, zum Teil bedrohten Tieren und Pflanzen die Möglichkeit zum Überleben.

Beobachtungsturm im Riediker-Rälliker-Riet am oberen Greifensee
Foto: Markus Ambühl
    
Natürlich hoffen wir im kommenden Jahr, wenn wir am 3. Oktober 2004 unseren GNVU-Zugvogel-Beobachtungsstand erneut aufbauen, auf besseres Wetter und viele Besucher!

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