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Vogel des Jahres 2005
Der Mauersegler

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Dem Mauersegler ins Nest geschaut

Die Aussage „ was in den Himmel steigt, kommt irgend wann einmal auch wieder herunter“, trifft für alle Wesen zu. Der Mauersegler der im Volksmund Spyr genannt wird, hält jedoch den Rekord in Bezug auf den Nonstop-Flug. Ende Juli, im Alter von sechs Wochen streckt der Jungsegler seinen Kopf aus dem Flugloch hoch unter dem Dach - und lässt sich ins Leere fallen. Von dieser Sekunde an kann der fliegen. Ohne jede Hilfe der Altvögel zieht davon und fliegt über Gebirge, Meere, Wüsten bis er nach ein paar Wochen 10 000 km weit im südlichen Afrika ein Winterquartier findet, das ihm genügend Nahrung bietet. Im nächsten Juni ist der Einjährige wieder in der Kolonie seiner Eltern, die schon vorher meist Ende April aus dem südlichen Winterurlaub in die alten Nester heimgekehrt sind. Ununterbrochen soll der junge Spyr fliegen, erst in Afrika, dann in Europa und im folgenden Jahr wieder in Afrika – 21 Monate, bevor er im dritten Sommer zum ersten Eierlegen und Brüten wohl oder übel landen muss. In dieser Zeit hat der Mauersegler schon über 300 000 Flugkilometer gesammelt.

Mauersegler Mauersegler Mauersegler
Bilder: Marc Tschudin © posiTV/Tschudin

Spätestens wenn der virtuose Flieger mit einer Geschwindigkeit von gegen 70 km/h die kleine Öffnung des Nistplatzes anfliegt, kurz abbremst, das Flugloch punktgenau passiert und dann bäuchlings landet, macht er das was alle Vögel instinktiv tun müssen. Er widmet sich dem Brutgeschäft und kümmert sich um den Fortbestand seiner Art.
Entdeckt der Vogel ein Öffnung am Mehrzweckgebäude der Asylstrasse 12 in Uster , so kann es durchaus sein, dass sein erster Einflug elektronisch erfasst und auf einen Computer gespeichert wird.
Die ehemalige Trafostation, wurde 1997 von der Stadt Uster in ein kulturelles Mehrzweckgebäude umgebaut, in dem heute u.a. eine Brockenstube untergebracht ist. Bei der Renovation wurde darauf geachtet, dass die Nistgelegenheit für die Mauersegler, die dort seit 1918 beheimatet sind, erhalten blieb.

Asylstrasse 12, Uster
Bild: Marc Tschudin © posiTV/Tschudin

Auf Initiative der Gesellschaft für Natur- und Vogelschutz Uster (GNVU) ist zudem ein Projekt zur Erforschung des Verhaltens der Spyren angelaufen. Bei zweiundzwanzig von hundert Nistplätzen sind Lichtschranken eingerichtet worden. Die mit moderner Technik ausgerüsteten Behausungen wurden von der gewerblich-industriellen Berufsschule Uster entwickelt und in der Lehrlingswerkstätte der Zellweger-Luwa von Stiften gebaut. Mit der Lichtschrankenanlage werden alle Ein- und Ausflüge der Vögel zeitlich und zahlenmässig registriert sowie die Temperaturen und die Luftfeuchtigkeit im Nestbereich erfasst. Der Zählapparat ist so konstruiert, dass er auch dann keine falschen Zahlen errechnet, wenn ein Vogel mal einfach nur im Loch hockt und seinen Schwanz oder die Flügel bewegt. Die Daten sollen einen besseren Einblick in das leben der Mauersegler ermöglichen, zum Beispiel in die Fütterungsgewohnheiten, die Ablösungen beim Brüten oder den Einfluss der Witterung auf das Brutgeschäft.
Neu wurden in drei Brutkästen kleine Infrarotkameras montiert, mit denen man die Tiere ungestört beim schlafen, brüten, füttern, Ein- und Ausfliegen sowie den sozialen Kontakten beobachten kann.

Film 1 (6,7 MB) Film 2 (6,6 MB)


Um die beiden Filme betrachten zu können, muss QuickTime® von Apple auf Ihrem Rechner installiert sein.
Die aktuelle Version von QuickTime® können Sie hier gratis für MacOS und Windows-Betriebsysteme herunterladen.

Die gewonnenen Daten belegen teils schon früher festgestellte Beobachtungen: Die ortstreuen Tiere kommen sehr regelmässig und bewohnen immer dasselbe Nest. Weil mit drei Monaten die zeit fürs Brutgeschäft sehr knapp bemessen ist, sind die Brutpaare darauf angewiesen, dass sie ihr Sommerquartier rasch beziehen können. Die Vögel brüten etwa drei Wochen, wobei die beiden Altvögel gegenseitig abwechseln. Die zwei bis drei Jungen sind mit etwa fünf bis sechs Wochen flügge und bald auch robust genug, um die lange Reise in die Winterquartiere in Afrika antreten zu können. Knapp wird es für die Segler mit dem Zeitplan, wenn längere schlechte Wetterperioden auftreten, was hier zu Lande keine Seltenheit ist.
Noch gibt es viele Fragen zur Verhaltensweise der Mauersegler, die ggf. mit Hilfe dieser Überwachungsanlage beantwortet werden könnten. Wissenschaftliche Arbeiten wurden an dieser Kolonie noch keine durchgeführt. Die GNVU ist aber gerne bereit, die Anlage interessierten Kreisen zu wissenschaftlichen Zwecken zur Verfügung zu stellen.

Mehr Informationen: